Mittwoch, 25. Juli 2012

Die Stadt der verschwundenen Kinder - Caragh O´Brien

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Verlag: Heyne Verlag
 Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
 ISBN: 978-3453528000
Preis: 16,99 Euro
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Inhalt:
Die 16 jährige Gaia hat ein hartes Leben. Sie arbeitet, genau wie ihre Mutter, als Hebamme und muss mit dem Nötigsten zurechtkommen. Nicht weit von ihr entfernt, umschlossen von einer Mauer, liegt eine geheimnisvolle Stadt, die durch die Enklave geführt wird. Hier mangelt es nicht an Reichtum, doch leider ist der Zutritt verboten und die "Außenwelt" muss sich damit zufriedengeben, was die Enklave ihnen zuteilt.
Als Preis dafür, müssen die ersten 3 Neugeborenen im Monat, am Tor der Stadt abgegeben werden.
Gaia hat das noch nie hinterfragt. Doch dann werden ihre Eltern verhaften und Gaia fängt an, sich Fragen zu stellen. Was passiert mit den abgegebenen Kindern und was haben ihre Eltern verbrochen?
Sie schleicht sich heimlich in die Verbotene Stadt, um Antworten zu finden. Ein gefährliches Unterfangen, denn die Enklave sieht es nicht gerne, wenn man ihre Gesetze missachtet.

Meinung:
"Die Stadt der verschwundenen Kinder" gehört für mich in die obere Reihe der Dystopien!
Hier und da gibt es zwar ein paar kleine Schwächen, aber das bremst das Lesevergnügen kaum aus.
Caragh O´Brien hat einen guten Schreibstil, der flüssig und leicht zu lesen ist. Durch einfache Sätze hat sie es geschafft, den Inhalt des Buches bestmöglich wiederzugeben. 
Die knapp 460 Seiten sind somit kein Problem und können zügig gelesen werden.

Was hat mir besonders an diesem Buch gefallen?
Da ist zum einen die Grundidee. Eine Stadt umgeben von Mauern. Kaum einer weiß, wie es dort aussieht. Jeden Monat werden die 3 erstgeborenen Kinder am Stadttor abgegeben und man sieht sie nie wieder.
Das weckt doch gleich Interesse, oder? Bei mir schon und wollte es deshalb unbedingt lesen.
Dieses Buch ist auf jeden Fall, kein "Fehlbuch". Es besitzt alles für einen tollen Leseabend. Der nötige Anteil an Spannung stimmt. Das ist mir immer besonders wichtig, gerade bei Dystopien. Ein MUSS. Besonderes im letzten Drittel, komme ich hier auf meine Kosten.
Eine weitere Sache, die mir absolut gefallen hat, ist, dass der Liebesanteil überhaupt nicht in den Vordergrund gerückt wird. Sowieso nähern sich die beiden Hauptprotagonisten nur sehr langsam, was daran liegt, dass sie sich noch nicht genug vertrauen.
Gaia kommt von außerhalb. Sie kennt kein luxuriöses Leben und muss jeden Tag hart arbeiten.
Leon, der männliche Gegenpart dagegen hatte alles. Ihm fehlte an nichts.
Dafür muss ich der Autorin ein Lob ausschütten, den viel zu oft steht die "Lovestory" im Vordergrund, was eigentlich überhaupt nicht schlimm ist, aber auch kaum für Abwechslung sorgt.

Gaia ist ganz klar die Protagonistin, die den meisten Raum einnimmt. Das ist auch gut so.
Sie gehört zu den Charakteren, die man absolut mag und ins Herz schließt. Sie erscheint schlau, vernünftig und sehr erwachsen. Ihr Handeln kann man dadurch sehr gut nachvollziehen und man hat sich nicht dauernd gefragt: "Warum ist sie so dumm und macht jetzt genau das?". Davon gibt es leider auch genug andere Beispiele, die genau diesen einen Charakterzug aufweisen.
Doch Gaia ist da ganz anders. Durch ihre präsente, aber nicht aufdringliche Art, fühlt man sich gleich mit ihr verbunden. Ein sympathisches Mädchen.

Mehr herausstechende Charaktere gibt es eigentlich nicht. Die meisten spielen eher am Rande mit und das Hauptaugenmerk liegt nur bei Gaia. Leon, der besonders im letzten Drittel auftaucht, war mir sympathisch, fehlt dann aber doch zu oft, um mir ein genaueres Bild von ihm zu machen.
Im Verlauf des Buches merkt man sehr schnell, wie die Enklave wirklich tickt. Auf das Wohl des einzelnen Menschen wird verzichtet. 
Die Thematik, die in "Die Stadt der verschwundenen Kinder" auftaucht, ist sehr ernst und vielleicht auch gar nicht so weit hergeholt. Es geht um Genetik. Die Vorteile, die es haben kann, Fehler im "Strang des Lebens" zu entfernen. Es geht darum, wie die Machtbereitschaft eines isolierten Systems wächst und überhandnimmt und dadurch der Wert des einzelnen Menschen in den Hintergrund gerückt wird.

Diese Aspekte werden toll mit der Geschichte um Gaia und ihren verschwundenen Kindern verwebt.
Am Anfang gab es zwar mal ein paar Längen, die aber nicht zu sehr gestört haben.
Das Ende gehört mal wieder zur miesen Sorte und lässt auf eine spannende Fortsetzung hoffen. "Das Land der verlorenen Träume" gibt es bereits und wartet darauf, auch von mir gelesen zu werden.
Mit gutem Gewissen kann ich dieses Buch weiterempfehlen, an Leser, die auf eine gute, interessanten Geschichte hoffen, bei dem der Liebesanteil mal nicht im Vordergrund steht. 
Fazit: 4/5 möglichen Punkten. Für Fans von Dystopien auf jeden Fall ein Lesen wert. Tolle Idee und sympathische Hauptrotagonistin.


Kommentare:

  1. Das steht auch auf meiner Wunschliste... Und es ist erfrischend, wenn mal nicht die Liebe im Vordergrund steht, finde ich...
    Sehr schön beschrieben :-)
    Glg
    Steffi

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  2. Sehe ich genauso Steffi :) Dankeschön ^^

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  3. Steffi hat eigentlich schon alles gesagt aber ich bringe trotzdem mal unseren Spruch: Das muss ich DRINGEND bald lesen! :D Vorallem nach dieser wieder mal wunderbaren Rezi...:) <3

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  4. Ich reihe mcih da ein: das muss ich dringend lesen!

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  5. Die Fortsetzung heißt "Das LAND der verlorenen Träume"
    und ein "mießes Ende" kann man eig net sagen, des is bei Fortsetzungen so, wobei ich hier fand, dass die Geschichte trotzdem schon mehr abgerundet ist, wie bei anderen Fortsetzungsromanen.
    Tolle Rezi, dass nur Gaia und die Macht der Enklave im Vordergrund stand, fand ich auch toll und besser als bei manch anderen Büchern.

    lg, Tine =)

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  6. Ahhh danke Tine für den Hinweis :) Ändere ich sofort^^

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  7. ...hört sich für mich mal interessant an! Vor allem, wenn der Jan ne Geschichte ohne große liebe gut findet ;-)...man merkt ja allein schon an der Länge deiner Meinung, dass es dir gefallen hat...habe bald Urlaub und bis dahin habe ich es bestimmt bestellt...Steffi will ja auch...:-)

    LG

    Kay

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  8. Coole, ausführliche und sehr schön geschriebene Rezi!!!
    Ich sollte das Buch auch endlich mal lesen. Es steht noch in meinem SUB-Regal *schäm*
    Deine Rezi macht mir grad wieder richtig Lust auf das Buch, leider muss ich erst meine aktuell lesenden Bücher beenden. Aber die sind zum Glück gut.

    LG
    Lilly

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  9. Sehr gute und ausführlich Rezension. Das Buch wartet im Moment noch (wie so viele Andere) in meinem Bücherregal auf mich aber deine Rezension macht einem doch gleich Lust darauf.

    LG

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  10. "Mehr herausstechende Charaktere gibt es eigentlich nicht." Dazu sei gesagt, dass eben genau das wunderbar ist! Denn wenn man in so einer Welt verloren ist, hat man auch kaum Augen für Schattengestalten oder Menschen, die mit einem nicht das geringste zu tun haben. Die schiere Verzweiflung der Situation ist genau das, was den Roman in meinen Augen besonders macht und natürlich die Tatsache, wie beide Protagonisten damit klar kommen. Und das Ende - ich habe gedacht, ich muss eintausend Tode sterben, damit ich die Fortsetzung direkt würde lesen können. Nun liegt sie hier (mittlerweile sogar beide), doch kam ich noch immer nicht dazu, weiterzulesen. Für mich ist dieser Roman ganz klar ein Pageturner und eine bemerkenswerte Leistung im Bereich der dystopischen Literatur.

    Liebe Grüße,
    Nazurka

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lauft mir nach ...