Freitag, 20. Juli 2012

Ich fürchte mich nicht - Tahereh Mafi

Verlag: Goldmann Verlag
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
ISBN: 978-3442313013
Preis: 16,99 Euro
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Inhalt:
Juliette sitzt seit 264 Tagen in einer Zelle. Gefangen in einer Anstalt.
Warum? Ihre Eltern haben sie abgeschoben, weil sie ihre eigene Tochter für etwas Widerwärtiges halten. Juliette hat eine besondere "Gabe". Jeder der sie berührt leider unter schrecklichen Schmerzen und bei längerem Kontakt, kann sogar der Tod eintreten. Seit Jahren ist das Mädchen unberührt. Sie hält sich selbst für ein Monster.
Eines Tages bekommt sie einen Zellengenossen. Adam. Sie kennt diesen Typen von früher. Er war der Einzige, der sich für sie eingesetzt hat.
Doch dann findet sie heraus, dass Adam ein Soldat ist und ein Spion von Warner, einem skrupellosen machthungrigen Mann, der mit Juliettes Fähigkeiten seine eigenen Pläne verfolgen will.

Meinung:
Schon lange hatte ich keine so großen Erwartungen mehr an ein Buch, wie bei "Ich fürchte mich nicht".
Viele von euch werden sicherlich schon das ein oder andere davon gehört haben. Die Beschreibung hört sich wirklich interessant an und ich wusste sofort, dieses Buch musst du lesen.
Aber die Enttäuschung kommt schon nach dem ersten Kapitel!
Was ist das bitte für ein Schreibstil? Ich bin ehrlich: Ich fand ihn schrecklich! Ich hab das erste Kapitel gelesen und schon keine Lust mehr gehabt weiterzulesen. Die Sicht aus Juliette wirkt total überhoben und zu stark betont. Ich war entsetzt!
Doch dann geschah Folgendes. Nach ein paar Stunden habe ich mich doch wieder an das Buch gewagt. Es muss ja schließlich gelesen werden. Also zückte ich das Buch und stellte mich schon auf ein paar haarsträubende Stunden ein, aber es ist ganz anderes gekommen. Dieser, im ersten Augenblick katastrophaler Schreibstil, wird von Seite zu Seite immer besser, obwohl er sich nicht geändert hat. Wie konnte das passieren? Hab ich mich einfach daran gewöhnt? Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht. Nur das ich nach Beenden dieses Buches sicher war, dass der Stil einfach perfekt passt. Diese Intensität ist super. Juliette hat anscheinend ein fabel für Zahlen, denn damit schmückt sie ihre Sätze sehr oft aus. Ein Beispiel: "1 Wort, 2 Lippen, 3 4 5 Finger bilden eine Faust. 1 Ecke, 2 Eltern, 3 4 5 Gründe sich zu verstecken" (S.39). Sieht vielleicht im ersten Moment komisch aus, das ist es auch, aber es passt einfach total. Noch ein Tüpfelchen auf dem I.

Durch diesen Stil fühlt man sich ungemein verbunden mit der Hauptprotagonistin. Ohne Witz, es war erschreckend, wie nah Juliettes Wahrnehmung sich in einem selber widerspiegelt. Ihre Sicht der Dinge, die Beschreibung ihrer Wahrnehmung, reflektiert enorm auf den Leser und das bringt uns die Person so nahe. Ich finde es einfach nur toll.
Somit war klar, dass dieses Mädchen die Macht hat, den Leser in ihren Bann zu ziehen, oder eben auch nicht. Das liegt dann daran, ob man ihre Art, ihren Charakter mag. Ich mag ihn definitiv!
Juliette hat bisher ein schreckliches Leben geführt. Durch ihre Gabe, oder Fluch, ist sie von allen Menschen verstoßen worden. Selbst ihre Eltern haben sie verstoßen. Jahrelang keine Berührungen, oder Nähe eines Menschen zu spüren, muss unendlich schmerzhaft sein. Das ging mir sehr Nahe und ich konnte nur mit ihr mitfühlen, sie bemitleiden. Man spürt richtig ihre Angst davor, Menschen in ihrer Umgebung zu verletzten, denn das ist das Schlimmste, was sie sich vorstellen kann. Einerseits vermisst sie den Kontakt, will aber auch keine Gefahr für andere darstellen.
Dann tritt Adam in ihr Leben, einen jungen Mann, den sie von früher kennt. Er war der Einzige, der sie als Mensch wahrgenommen hat, nicht als Monster.
Adam hat selbst eine schreckliche Kindheit hinter sich. Vom Vater verachtet und gedemütigt.
Juliette fühlt eine starke Verbundenheit zu ihm. Adam hat ebenfalls eine besondere Gabe. Er ist der einzige Mensch, der Juliette berühren kann. 
Adam an sich hat mir wie Juliette, sehr sehr gut gefallen. Die Chemie zwischen ihm und Juliette stimmt zu 100%!

Die Geschichte hat mich nach den ersten Startschwierigkeiten umgehauen. Spannend bis zur letzten Seite.
Ich war unter Dauerstrom und hibbelig wie schon lange nicht mehr. Eine Seite noch und noch eine und noch eine, ich musste weiterlesen, konnte nicht still sitzen. Was passiert als Nächstes? Schock! Ach du meine Güte, schnell weiterlesen ... Das ging das ganze Buch durch. Die Idee ist toll umgesetzt und es gibt so etwas wie Längen überhaupt nicht. Die Welt, die wir aus Juliettes Augen betrachten, ist zerstört. Überall Krieg. Es gibt so gut wie keine Tiere mehr und die Pflanzen sterben ab. Die Nahrung wird knapp und viele Menschen sind am Verzweifeln. Würde ich eine Farbe für dieses Buch auswählen müssen, dann würde mir spontan Grau einfallen. Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit bestimmen den Alltag. Aber auch dieses Empfinden beim Lesen, passt einfach zu diesem Buch.
Das Ende von "Ich fürchte mich nicht" ist gut und macht einfach Lust auf den nächsten Teil. Ich freue mich schon wahnsinnig auf die Fortsetzung und kann nur hoffen, dass ich genauso begeistert bin, wie jetzt in diesem Augenblick. Ich ziehe nur ein kleines halbes Pünktchen für den ersten Eindruck ab.

Fazit: 5/5 möglichen Punkten. Dieses Buch hat mich gepackt. Eine super Dystopie, die durch den unverwechselbaren Schreibstil erst einmal verwirrt, aber dann nicht mehr loslässt.


Kommentare:

  1. Genau meine Meinung ;-)
    Zum Glück hast du weitergelesen, sonst hättest wirklich was verpasst :-)
    Glg
    Steffi

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  2. Oh ja, nach dem ersten Kapitel hätte ich es am liebsten gegen die Wand geklatscht :D
    Dann hätte ich ja was verpasst! :)

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  3. Die Rezension klingt ja echt gut :D Ist die zweite die ich dazu lese und bei der ersten war es eher als nicht so gut bewertet mit einer sehr verständlichen Begründung ... aber deine kann ich auch nachvollziehen :D
    Vielleicht muss ichs selbst lesen um rauszufinden ob es nun "gut" oder "schlecht" ist :D
    LG Katharina

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  4. Werde das Buch auch am WE anfangen und freue mich jetzt dank deiner fantastischen Rezi noch mehr auf das Buch :)

    lg <3

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  5. Die dritte Rezi, die ich heute zu dem Buch lese und schon wieder eine lobende. Das Buch werde ich auch bald lesen müssen. Gerade die vielen Emotionen, die die Thematik bietet, gefallen mir jetzt schon :)

    Tolle Rezi!!!

    LG
    Lilly

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  6. Ui, dir gings ja (fast) so wie mir^^ Ich war schon darauf gefasst beim Schreibstil, weil ich schon immer überlegt hatte, es auf englisch zu kaufen, hab mich aber doch nie getraut ;)
    Jedenfalls war ich genauso wie du total gefesselt und hatte es im Rutsch durch....jetzt komm ich nur nicht dazu die Rezi fertig zu schreiben =P

    LG Ley

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  7. man hört viel gutes von diesem Buch und tolle bewertungen sieht man hier auch oft, bisher nur eine schlechte rezi darüber gelesen :)
    vllt muss ich es mir mal auch bald zulegen :D

    lg

    Alisia

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  8. ...habe schon zu Steffi gesagt, dass ich mir bei diesem Schreibstil ein eigenes Bild machen muss. Aber da hast naturlich mal wieder eine schöne und nachvollziehbare Rezension abgegeben. Mal sehen, wann ich zu dem Buch komme...

    LG

    Kay

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  9. Hey, hört sich gut an.Coole page!

    Wir starten auch gerade einen Bücherblog und freuen uns riesig über Kommentare und Leser...
    http://buchlabyrinth.blogspot.de/

    ;) LG

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  10. Ja, mir ging's wirklich haargenauso mit dem Schreibstil. :)

    LG, Lydia

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lauft mir nach ...