Freitag, 23. August 2013

No place, no home - Morton Rhue [Rezension]

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Verlag: Ravensburger Buchverlag
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
ISBN: 978-3473401000
Preis: 14,99 Euro
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In Dignityville finden die Menschen einen letzten Zufluchtsort, die ihre Arbeit und ihr Heim verloren haben. Nie hätte Dan es für möglich gehalten, einmal selbst in dieser Zeltstadt für Bedürftige zu leben, doch nachdem seine Eltern arbeitslos geworden sind und das Leben bei seinem Onkel auf Dauer nicht erträglich war, ist Dignityville der letzte Platz, an dem sie sich niederlassen können. Dan ist es unangenehm und verschweigt seine neue Adresse erst einmal - ihm wird aber schnell bewusst, welche Schicksalsschläge die Menschen in die Zeltstadt gezwungen haben. Zu diesen Menschen gehört auch Meg, die Dan aus der Schule kennt. Als ihr Bruder fast tot geprügelt wird, erhärtet sich der Verdacht, dass Dignitiyville mehr als nur ein Ort für "Abschaum" angesehen wird - jemand möchte, dass dieses unschöne Accessoire der Stadt verschwindet...


Morton Rhue ist natürlich ein Name, der in der Leserwelt nicht ganz unbekannt ist. Aus seiner Feder stammen Bücher wie "Die Welle", "Ich knall euch ab" und "Stille über uns". Ich muss aber zugeben, dass ich noch keines seiner Werke gelesen habe und "No place, no home" mein erstes Buch von Mr. Rhue ist.

Bei diesem Roman handelt es sich um ein sozialkritisches Buch. Der Autor spricht aktuelle Themen an und bringt diese durch einen toll ausgearbeiteten Protagonisten authentisch zum Ausdruck.
Ebenfalls sein Stil verleit der Geschichte eine gewisse Tiefe, ohne dabei zu viel zu erzählen und passt sie dem Jugendbereich sehr gut an. Auf Ausschmückungen und großartige Abschweifungen wird gänzlich verzichtet und im Mittelpunkt des Geschehens steht der Protagonist Dan.

Dan war bisher eigentlich ein angesehener Junge - tolle Eltern, gut in der Schule, eine schöne Freundin und die Aussicht auf ein Sportstipendium lassen ihn beneidenswert wirken. Doch mit der Arbeitslosigkeit seiner Eltern bricht die heile Welt Stück für Stück zusammen und sein Lifestyle muss darunter leiden. Zuerst kommt die Familie bei einem Onkel unter, doch das Zusammenleben wird mit der Zeit problematisch und die Stimmung im Haus immer gereizter. 

Dignityville wird Dans neues Zuhause. Obwohl es ihm sichtlich unangenehm ist, dort zu wohnen und er über dieses Thema eher schweigt, hat sich Dan doch in der gesamten Geschichte sehr "vernünftig" benommen - definitiv anders, als ich es vermutet hätte. Von einem Jungen im Teenageralter hätte ich etwas mehr Rebellion erwartet. Ein Auflehnen gegen die Eltern, resultierende Wut, Unzufriedenheit. Dan wirkt aber oft schon sehr erwachsen, was mich manchmal schon verwundert hat. Gelegentlich lässt der Autor dann doch aufblitzen, dass Dan noch ziemlich jung ist - die Verschwiegenheit bezüglich Dignityville kommt zum Beispiel prima zur Geltung. Man spürt direkt die Befangenheit, die Dan umgibt, weil es ihm total peinlich ist. Mit der Zeit lernt er aber damit umzugehen und kann später nichts Schlechtes an diesem Ort mehr erkennen.

Um die Handlung ein bisschen turbulenter zu machen, hat Morton Rhue einen kleinen "Kriminalfall" eingebaut, der im direkten Zusammenhang mit der Zeltstadt steht und diese noch mehr ins schlechte Licht führt. Dieses "Extra" macht das Buch nicht unbedingt superspannend, aber verleiht doch etwas Dramatik. Die Beziehung zu seiner Freundin, die immer weiter entgleitet, weil sich Dan plötzlich so "anders" fühlt, beinahe ausgegrenzt, wird gut geschildert und macht die Kernaussage umso deutlicher - Verlust, Ausgrenzung, Andersartigkeit, arm gegen reich. Durch Meg erlebt Dan einen kleinen Wandel, der es ihm leichter macht, auch die "andere" Seite zu verstehen.

Ich muss zugeben, dass die Art von Genre im Jugendbereich nicht direkt mein Fall ist, aber das Buch sicherlich die ansprechende Zielgruppe überzeugen kann. Ich brauche es entweder spannend, blutig, oder total traurig und damit kann dieses Buch nicht trumpfen.


"No pace, no home" ist definitiv kein schlechtes Buch, aber eben auch nicht so ganz meine Geschmacksrichtung. Der Autor hat es aber geschafft, eine authentische Geschichte aufzubauen, die mich durchweg beansprucht hat, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Mit Dan ist ihm ein sympathischer Protagonist gelungen, der sich zwar ganz anders verhält, wie erwartet, aber dadurch die Geschichte dennoch nicht unglaubhaft wirken lässt. 

6/10 
Punkten

Kommentare:

  1. Hallo Jan,

    nun der Schreibstil ist halt einfach gewöhnungsbedürftig. Habe von ihm schon " ich knall euch ab" gelesen. Seine Thematik ist halt immer eher eine Aktuelle. Amoklaufen oder plötzlich ohne Dach über dem Kopf da stehen. Ist halt nicht die Welt der großen Liebe/Vampire usw.

    Seine Bücher regen einfach zum Nachdenken an.

    LG..Karin..

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  2. Da hast du auch vollkommen recht, Karin! :)
    Es war aber einfach nicht meine Thematik, ansonsten ist das Buch einfach TOP - stilistisch uns so.
    "Stille über uns" oder "Ich knall euch ab" wären wahrscheinlich eher nach meinem Geschmack ;)
    LG Jan

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  3. Hallo Jan,

    ich habe gerade das Hörbuch gehört und muss dir in weiten Teilen Recht geben, obwohl ich das Thema echt klasse fand. Irgendwie konnte mich das Buch auch nicht vollends packen, wobei ich aber sagen muss, dass ich mit der Erzählweise von Paul Kindermann nicht so gut zurecht kam. Schwer zu beschreiben. Er hörte sich meiner Meinung nach zu bemüht an. So dass ich mir öfter gedacht habe, in diesem Fall hätte ich besser das Buch lesen sollen.

    Liebe Grüße
    MacBaylie

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  4. Klingt wirklich nach nichts für mich :-)
    Und du hattest dich beim Auspacken doch so gefreut :-(

    lg
    Steffi

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  5. Ich glaube, das werde ich mir bald mal zulegen :)
    Danke für die Rezi, ich hab bisher noch gar nichts davon gehört.

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lauft mir nach ...