Sonntag, 22. Juni 2014

Prisoner of Night and Fog - Anne Blankman [Rezension]

Bildquelle
Verlag: Balzer + Bray 
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
ISBN: 978-0062278814
Sprache: Englisch
Preis: 13,10
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Gretchen Müller lebt mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in München. Dort geht sie zur Schule und möchte später einmal Ärztin werden. Doch das Leben ist nicht ganz so einfach und das Geld oftmals knapp. Daran sind vor allem die Juden schuld - wurde ihr immer wieder eingebläut. Allen voran ihr Onkel Dolf, der politisch betrachtet immer erfolgreicher wird, hält an dieser Aussage fest. Gretchen glaubt an diesen charmanten, ehrvollen, überzeugenden Mann, der sie immer gut behandelt hat. Ihr Vater hat sich für ihn geopfert und Gretchen würde nicht zögern, das Gleiche zu tun - Adolf Hitler ist eben der perfekte Führer! Doch dann lernt Gretchen einen jungen Reporter kennen, der an den ehrvollen Tod ihres Vaters zweifelt. Schlimmer noch, Daniel ist ein Jude - aber Gretchen kann sich seinen Geschichten nicht so leicht entziehen ...


Bei "Prisoner of Night and Fog" war es vor allem der Inhalt, der mich neugierig gemacht hat. Im Normalfall mache ich bei einer solchen Thematik einen Bogen um Bücher, hier war ich gespannt, was die Autorin aus realen Fakten und fiktiver Handlung gezaubert hat. Da alles in die Richtung Jugendbuch geht, hat meinen Entschluss noch einmal gefestigt. Ich war neugierig und gespannt, was mich erwarten würde.

Was ich besonders an diesem Buch mochte? Man muss wahrhaftig keinen perfekten historischen Hintergrund besitzen, um der Geschichte folgen zu können. Das Setting spielt in den Jahren kurz vor dem Zweiten Weltkrieg und jeder, der in der Schule im Geschichtsunterricht ein bisschen aufgepasst hat, wird der Handlung locker folgen können - ich bin der Autorin auch sehr dankbar dafür, dass sie nicht unnötig versucht hat, zu viel Infos mit einzubauen. Das hätte die Leichtigkeit und den Charme eines Jugendbuches einfach kaputt gemacht. Der Mix aus ihrer fiktionalen Geschichte, mit den ausgedachten Charakteren, gekoppelt mit den echten Figuren und den wahren Begebenheiten ist toll gelungen und war mir eine willkommene Abwechslung, die ich in der Form, mit solch einem Hintergrund, noch nicht gesehen hatte.

Gretchen Müller ist die Protagonistin in diesem Roman und wird als typisches deutsches Mädchen zu dieser Zeit verkauft. Reines Blut, blaue Augen, helles Haar. Auch wenn die wirtschaftliche Lage keine gute ist, so hat Gretchen doch feste Ziele vor Augen. Sie möchte die Schule beenden und später einmal Ärztin werden. Ihr Vater ist gestorben als sie 8 Jahre alt war, doch sein Tod macht sie stolz, denn er hat sich für den Führer geopfert. Zu Hitler hat Gretchen ein ganz besonderes Verhältnis. Ihr gegenüber ist der junge Mann ein Charmeur, absolut zuvorkommend und immer höflich. Sie genießt die Freundschaft zu Hitler und vertraut ihm, glaubt an seine Ideen, hält an seine Meinungen fest. Ich fand es interessant, aber gleichzeitig auch erschreckend, in welchem Licht Hitler hier dargeboten wird. Aus Gretchens Sicht ist dieser Mann der Gute, der Gerechte, der perfekte Führer für Deutschland, auch wenn Hitler noch nicht an der Spitze steht. 

Gretchens Welt gerät ins Wanken, als sie plötzlich von einem Reporter angesprochen wird, der ihr Dinge erzählt, die den Tod ihres Vaters betreffen. Im ersten Moment schenkt das Mädchen dem gutaussehenden Daniel keine Beachtung, doch der lässt nicht locker und irgendwann weiß Gretchen nicht mehr wem sie glauben soll. Das Schlimmste daran ist, dass Daniel ein Jude ist und so werden die immer häufiger werdenden Treffen immer gefährlicher. Mit fortschreitender Geschichte lässt uns die Autorin dann ein anderes Gesicht von Hitler sehen, eines, das man schon eher mit dem skrupellosen Mann in Verbindung bringen würde. Das Spannungslevel wird angezogen und Gretchen sieht nicht nur Hitler plötzlich in einem unangenehmen Licht. Es wird gefährlich für sie. Natürlich mochte ich ihre Wandlung in der Handlung. Dem Mädchen wird letztendlich die Augen geöffnet und die Welt ist nun eine andere für sie. 

So sehr ich die aufkommende Spannung auch mochte, ich habe mir letztendlich ein kleines bisschen mehr erhofft. Das Buch war in keinster Weise langweilig oder uninteressant, es hat eben noch dieser letzte Kick gefehlt, der es zum echten Pageturner gemacht hätte. Eine gewisse unterschwellige düstere Atmosphäre ist von Anfang an gegeben, da der Leser eben schon weiß, wie Hitler wirklich tickt.


"Prisoner of Night an Fog" ist mit seiner Thematik, besonders im Bereich Jugendbuch, eine willkommene Abwechslung gewesen. Der Mix aus realen Fakten und fiktiven Stoff ist der Autorin gut gelungen. Ich war stetig gefesselt hätte mir über die Handlung verteilt aber etwas mehr Nervenkitzel und Spannung gewünscht. Gretchen ist eine tolle Protagonistin, deren Wandlung in der Geschichte von mir positiv aufgenommen wurde - wie könnte man auch anders. 


Ich vergebe

7/10 
Punkten


Kommentare:

  1. Ui, mal ganz was anderes zu dem Thema. Hört sich auf jeden Fall interessant an. (Aber musste sie unbedingt Gretchen heißen? Schlimmer Name ;) )
    Hast du mal "Liverpool Street" von Anne C. Voerhoove gelesen? Das ist auch ein wunderbares Buch über diese Zeit, wenn auch aus Sicht eines Mädchens das fliehen muss, weil ihre Großmutter Jüdin ist. Sie landet dann bei orthodoxen Juden in London, als Christin, die sich noch nie mit dem Judentum beschäftigt hat.

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  2. Ja, typisch deutscher Name - so denkt wahrscheinlich der Rest der Welt! :D
    Nein, von dem buch hab ich noch nie etwas gehört, aber die Bewertungen sprechen ja für sich! Das merke ich mir mal, wenn ich mal wieder Lust auf etwas anderes habe! Danke, für den Tipp! :)
    LG jan

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lauft mir nach ...