Samstag, 25. Oktober 2014

Endgame - Die Auserwählten - James Frey [Rezension]

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Verlag: Oetinger
Gebundene Ausgabe: 592 Seiten
ISBN: 978-3789135224
Preis: 19,99 Euro
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Als 12 Meteoriten fast zeitnah auf die Erde niederschmettern und unzählige Menschen in den Tod reißen, ist 12 jungen Menschen sofort klar, was bevorsteht. Die Zeit ist gekommen, das Spiel fängt an - Endgame hat begonnen! Aber Endgame ist nicht bloß ein Spiel. Endgame ist gefährlich und es braucht Mut und Geschicklichkeit, denn nur einer wird am Ende übrig sein und seiner Rasse das Überleben sichern ... 


Bücher, die so dermaßen angepriesen werden, wie es jetzt bei "Endgame" der Fall ist, erregen eigentlich immer schnell meine Aufmerksamkeit und da das Werk von James Frey auch vom Genre her genau in mein Raster fällt, ist natürlich auch schnell meine Neugierde geweckt worden. Generell habe ich nichts gegen "Hype-Bücher" - ganz oft mag ich sie total, weil oft irgendwo anders auf der Welt das Buch super angekommen ist und eben dadurch auch groß bei uns vermarktet wird. "Endgame" ist jedoch zeitgleich überall erschienen und hatte noch keine Leserschaft hinter sich stehen. Hier war es eher das große Drumherum, was den Reiz des Buches ausmacht. Rätsel lösen, aktiv sein - die Chance auf einen riesen Schatz! Inhaltlich musste mich das Buch noch überzeugen - hat es aber dann leider nicht so wirklich!

Für meinen Geschmack hat James Frey mit seinem Buch einfach zu viel gewollt. Der Einstieg hat mir noch relativ gut gefallen. Die Geschichte nimmt zu Beginn schnell an Fahrt auf und es gibt nur wenige Passagen im gesamten Buch, wo das Tempo gedrosselt wird. Bleibt man am Buch hängen, so hat man das Gefühl, man rast durch die Geschichte. Der Stil des Autors bestärkt dieses Gefühl, in dem er kurze Sätze verwendet und die Atmosphäre nüchtern und pragmatisch hält. Vorwärtskommen, die Geschichte antreiben, auf keinen Fall in Stillstand geraten. Schön und gut, aber da bleiben leider einige wichtige Dinge auf der Strecke liegen.

Zum Beispiel die Charaktere. Es sind immerhin 12 Stück an der Zahl. 12 Personen, die authentisch wirken wollen. 12 junge Menschen, die den Leser mitreißen sollen. Ich mochte es überhaupt nicht, dass der Autor einigen Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit gegeben hat, als anderen. Ja, es handelt sich hierbei um den ersten Band einer Reihe und in den Fortsetzungen könnte die Verteilung schon wieder ganz anders aussehen. Trotzdem empfand ich es als störend, dass bestimmte Personen direkt in den Fokus gedrängt wurden. Dem Leser wird förmlich aufgezwungen, welche Person er zu mögen hat und bei wem sich keine Sympathien einstellen sollen. Zudem sind die Passagen der Spieler, die selten vorkommen, alles andere als spannend und aufregend. Dieses Ungleichgewicht in der Aufteilung war wirklich nicht schön. Daneben gibt es auch leider keinen Charakter, der mich wirklich mitreißen konnte. Einige konnte ich zu wenig kennenlernen, andere haben sich einfach merkwürdig verhalten, bleiben blass und stereotypisch. Schade! 

Daraus resultiert leider das Problem, dass ich in Verbindung mit den Charakteren, keinen Emotionen aufbauen konnte. Es steht nur ein Raster: Der scheint im Augenblick gut zu sein, der andere scheint im Augenblick nicht gut zu sein! Mit fehlte schlichtweg die Verbindung zu den Protagonisten, die mir allesamt einfach zu oberflächlich gestrickt waren. Da konnte auch die eine oder andere Liebelei unter den Mitstreitern nichts mehr ändern - das war eher unglaubwürdig und hat so gar nicht in das Gesamtbild eines Endzeit-Romans gepasst.

"Endgame" liest sich wie ein Action-Film, der darauf bedacht ist, den Leser für ein paar Stunden zu unterhalten. Ich will auch nicht sagen, dass das schlecht ist, auch ich hatte kurzweilig meine Freude mit der Lektüre. Ich mag Action, ich mag ein rasantes Tempo und es gab hier und da einige Punkte in der Geschichte, die mich mitgerissen haben und selbst das Ende hat mich sogar neugierig auf die Fortsetzung gemacht. Aber für meinen Geschmack hat auch leider einiges gefehlt, was nicht hätte fehlen dürfen. So ist Band 1 eben vor allem eins - ziemlich oberflächlich.



Wer Bücher mag, die sich eher anfühlen, wie ein mit Action vollgestopfter Film, der könnte seine Freude mit "Endgame - Die Auserwählten" haben. Man sollte sich dann aber auch im Klaren sein, dass der Autor weniger auf die Charaktere und Emotionen eingeht. Die gesamte Atmosphäre ist sehr kühl und nüchtern gehalten und lässt nur wenig Raum zum Mitfiebern übrig. Für mich leider nur allerhöchstens ein mittelmäßiges Buch, das noch einiges an Potenzial nach oben hat. Wer weiß, vielleicht schafft es James Frey ja, mit der Fortsetzung einiges gut zu machen. Ich wünsche es mir!

Ich vergebe

5/10 
Punkten


Kommentare:

  1. Hmm echt schade :/ das Buch liegt noch hier bei mir aber irgendwie hab ich keine so große Lust es zu lesen ... Trotzdem tolle Rezi ♥
    Liebe Grüße
    Nasti ♥

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  2. Wow, über 600 Seiten hat das Buch und schafft es oberflächlich zu sein. Nicht schlecht Herr Sprecht. Mich hat der ganze Hype drumherum sogar eher abgeschreckt. Auf der Buchmesse war ich kurz in Versuchung, schließlich war der Oethinger Stand ja komplett mit dem Buch zugepflastert. Aber alles wirkte dann doch zu sehr Panem 2.0. und die ein oder andere Meinung hat mich dann vollends abgebracht. Was du schreibst, bestätigt das ganze nur und ich bin ganz froh, dass ich es nun doch nicht geholt habe. Schade, optisch fand ich das hübsch mit den aufgedruckten Zeichen auf dem Schutzumschlag.

    Liebe Grüße,
    Tina

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  3. Hi Jan, habe mir vor ein paar Tagen das Buch als eBook (9,99 €) gekauft, weil ich mir nicht sicher bin, ob mir die Geschichte gefallen wird und deine Rezi bestärkt leider meine Vermutung. Damit möchte ich nicht sagen, dass deine Rezi nicht gut ist, ganz im Gegenteil. Ich finde sie sehr gut geschrieben und nüchtern betrachtet, abseits des ganzen Trubels um das Buch! Ich werde es lesen, aber ohne Stress und mit etwas Abstand zum derzeitigen Hype. Liebe Grüße, Uwe

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  4. Schade, dass dir das Buch nicht so gut gefallen hat. Ich fand es eigentlich ziemlich spannend und sehr interessant. Das mit den Charakteren kann ich aber total nachvollziehen - ich konnte mich da auch mit keinem so wirklich identifizieren, alle 12 wirkten sehr fremd auf mich. Dennoch hat mich das Buch überzeugt. Es hat mich an die Legenden von den Annunaki erinnert, die ich früher gerne gelesen habe. Vielleicht gefällt es mir deshalb so gut.

    @Tina
    Mit Panem hat das Buch gar nichts zu tun. Ich dachte anfangs auch, dass es da gewisse Parallelen gibt, die Geschichte geht aber komplett eigene Wege.

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  5. Huhu lieber Jan,

    ich habe jetzt schon mehrere Meinungen zu Endgame gelesen und viele waren wirklich enttäuscht von dem Buch. Ich habe es auch hier liegen und werde es nach Salt&Storm in Angriff nehmen. :) Ich hoffe es gefällt mir, aber so wie du es beschreibst werde ich wohl auch eher Schwierigkeiten mit dem Buch haben :/

    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende!

    Sonja

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  6. Ich werde das Buch dann wohl nicht lesen, da ich bisher eigentlich nie wirklich begeisterte Rezensionen gelesen habe...

    Liebe Grüße
    Maura

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  7. @Nasti: Dankeschön! :) Vielleicht magst du es ja mehr, ich wünsche es dir! :)
    @Tina: Optisch ist das Buch echt Bombe! Ich hatte auch erst Angst, dass es Panem zu sehr ähnelt. 12 Spieler - 12 Tribute, fast das gleiche Alter? Aber irgendwie wurde ich dann im Verlauf der Geschichte gar nicht mehr daran erinnert! :D Aber ich weiß, dass es dir nicht gefallen würde ;)
    @Uwe: Das ist dir richtige Einstellung. Einfach ohne große Erwartungen beginnen und vielleicht magst du es ja dann richtig :)
    @Lady Moonlight: Freut mich, dass es dir mehr Spaß gemacht hat. Ja, das mit den Charakteren war eins meiner Hauptprobleme und das finde ich immer total schade. Anderen macht das vielleicht nicht so viel, aber ich kann dann nie so richtig mitfiebern :D
    @Sonja: Einfach ohne große Erwartungen rangehen, dann klappt das vielleicht besser. Salt & Storm war leider auch nix für mich - hoffentlich magst du es^^
    @Maura: Gesehen habe ich schon welche, aber eben auch einige nicht so positive. Endgame spaltet wohl die Leserschaft :D
    LG an alle! :D

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    1. Bisher finde ich es noch nicht so prall Jan ;-)

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  8. Ich habe es ja schon befürchtet, als du immer wieder Andeutungen gemacht hast, dass deine Rezi keine Lobeshymne werden wird. Ich werde jetzt auch erst mal mit Lesen warten, da ich Bücher auf meinem SUB habe, die eine viel höhere Priorität haben. Und wenn dieser ganz große Hype vorbei ist, habe ich sicher auch Lust darauf, denn gespannt bin ich trotzdem noch.

    Wie immer eine wunderbare Rezension mein Lieber <3 <3 <3

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  9. Mäh... Ich bin bei Hypebüchern immer sehr vorsichtig und bisher schreckt mich Endgames irgendwie ab. Und das, obwohl es auch mein Beuteschema ist. Aber mittlerweile entdecke ich echt immer mehr Rezis wie deine und das schreckt mich ab. Es gibt so viele gute Bücher, da will ich meine Zeit nicht unnötig verschwenden. :(

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  10. Hey!
    Tolle Rezension. Ach schade, wenn ein Buch so gehyped wird und dann doch nicht alle Erwartungen erfüllt. Das Konzept mit den Rätseln ist mehr als genial, aber wenn die Geschichte nicht stimmt, dann ist es nur halb so cool. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich es noch lesen soll...:D
    Liebe Grüße & Happy Halloween,
    Ebru

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lauft mir nach ...