Dienstag, 11. November 2014

Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry - Rachel Joyce [Rezension]

Bildquelle
Verlag: FISCHER Krüger
Gebundene Ausgabe: 400 Seiten
ISBN: 978-3810521989
Originaltitel: The Love-Song of Miss Queenie Hennessy
Preis: 18,99 Euro
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Als Queenie den Brief an Harald Fry abschickt, konnte sie noch nicht ahnen, was für Wellen ihre geschriebenen Sätze schlagen würde. Doch bald darauf gerät ihr tristes Leben im gemächlichen Altersheim gewaltig aus den Fugen, als sie von einem alten Mann erfährt, der sich angeblich auf den Weg zu ihr gemacht hat - quer durch ganz England und das zu Fuß!


"Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harald Fry" war damals ein Buch, das mir direkt durch Herz und Mark ging. Ich fand es großartig, humorvoll und ganz besonders emotional. Und wie glücklich war ich, als ich von dieser "Fortsetzung" erfahren habe. Von Fortsetzung will ich eigentlich gar nicht so laut reden, denn die Geschichte fühlt sich sehr eigenständig an, baut aber natürlich auf den Begebenheiten von Harolds Reise auf - Queenies Geschichte wird sozusagen parallel zur Pilgerreise erzählt - eben aus der Sicht der alten Dame.

Und das fand ich ganz großartig! Dieser Sichtwechsel hat mich wahnsinnig fasziniert, weil man eben auch gleichzeitig weiß, wie Harald sich gerade den Weg zu Queenie durchschlägt. Doch für die alte Dame wird das alles zu viel, denn sie weiß, dass sie sehr krank ist und nicht mehr lange durchhalten kann, also beginnt sie einen letzten Brief an Harold zu schreiben, der von ihrem Leben handelt, von dem Kennenlernen zwischen ihr und Harold und von dem großen Geheimnis, dass sie all die Jahre gehütet hat.

Dabei lässt die Autorin die Handlung immer wieder in die Vergangenheit gleiten und erzählt Episoden aus Queenies früherem Leben. Und ich kann echt nur schwärmen, wie wunderbar es der Autorin gelungen ist, das Leben der alten Dame wiederzugeben. Ich LIEBE den Stil von Rachel Joyce! Sie kann so wunderbar Gefühle und Emotionen hervorbringen und sie ganz fantastisch zur Geltung bringen. Der Titel lässt vielleicht Kitsch vermuten, aber den findet man hier wirklich nicht! "Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry" hatte immer - und ganz besonders in den Erzählungen aus der Vergangenheit - einen ganz melancholischen Anstrich. Daher habe ich Queenie auch immer in einer etwas traurigen Aura gesehen und die alte Frau hatte immer mein Mitleid - ich wollte einfach, dass es ihr gut geht und natürlich hat es mich auch brennend interessiert, was es mit dem Geheimnis auf sich hat. Ab einem gewissen Punkt im Buch konnte ich es auch schon erahnen, sogar schon ziemlich früh. Wirklich gestört hat mich diese Vorhersehbarkeit aber nur ganz wenig, denn allein die wunderbar erzählte Geschichte, ist einfach der große Pluspunkt.

Queenie muss man einfach mögen. Sowohl das junge Mädchen aus den Erzählungen, wie auch die alte Dame, die ihren letzten Lebensabschnitt in einem Pflegeheim verbringt. Toll fand ich es auch, dass Harold aus den Berichten noch einmal von einem ganz anderen Blickwinkel beleuchtet wurde. Highlight waren aber besonders die anderen Bewohner in dem Pflegeheim - insbesondere die schrullige Finty. Ich hatte wirklich meinen Spaß an der Geschichte und das Ende hat mich noch mal besonders mitgerissen, weil dann doch einiges Unerwartetes passiert.


Wem "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" schon gefallen hat, der wird auch die Geschichte über Queenie lieben! "Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry" klingt im ersten Augenblick nach ganz viel Kitsch, davon ist in dem Roman aber überhaupt nichts zu finden. Emotional und gefühlvoll schildert Rachel Joyce das Erlebte der alten Dame und auch wenn die Handlung gelegentlich etwas vorhersehbar ist, so ist man als Leser doch konstant von der Geschichte gefesselt. Ich fand es toll!

Ich vergebe

8/10 
Punkten


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