Montag, 3. November 2014

Vor uns das Leben - Amy Harmon [Rezension]

Bildquelle
Verlag: Egmont INK
Taschenbuch: 384 Seiten
ISBN: 978-3863960735
Originaltitel: Making Faces
Preis: 14,99 Euro
Direkt kaufen: Amazon, Thalia


Ambrose, Fern und Bailey. Drei Jugendliche, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch führt sie das Leben zusammen. Der totkranke Bailey, der im Rollstuhl sitzt und das Leben trotzdem in vollen Zügen genießt. Fern, die graue Maus, die sich so liebevoll um Bailey kümmert und sich dabei vielleicht ein bisschen selber vergisst und Ambrose, der Schöne, der Liebling der Stadt und Ferns heimlicher Schwarm. Ein Junge, der alles zu haben scheint, aber trotzdem nicht glücklich ist. 

"Vor und das Leben" schreit gerade zu danach, ein Schicksalbuch zu sein - die ich ja so liebe und gelegentlich einfach gerne lese. Als ich es damals in der Verlagsvorschau entdeckt habe, war ich sofort Feuer und Flamme und ich habe dem Erscheinungstermin entgegengefiebert. Jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe und die Geschichte ein wenig sacken lassen habe, fällt es mir gar nicht so einfach, meine Gedanken zusammenzufassen. "Vor uns das Leben" war nämlich leider gar nicht so schicksalhaft, wie ich es mir vorgestellt und insgeheim erhofft hatte. 

Ich glaube mein größtes Problem hatte ich einfach mit den Charakteren. Fern, Bailey und Ambrose sind echt gut gezeichnet und die Autorin hat versucht ihr Auftreten so aufzubauen, dass sie vom Leser förmlich ins Herz geschlossen werden. Ambrose zum Beispiel ist wahnsinnig gut aussehend, super talentiert und wird von der ganzen Stadt auf Händen getragen. Lernt man ihn näher kennen, so erkennt man seine "traurige" Seite, die kein anderer zu sehen scheint. Fern ist ein Mauerblümchen. Sie macht im Verlauf der Geschichte eine komplette Wandlung durch. Vom hässlichen Entlein, zum ansehnlichen Schwan. Von den Jungs anfänglich ignoriert und hinterher ein Blickfang und Bailey ist der Garant für gute Laune, der durch seinen eigensinnigen Humor Sympathien sammelt. Man kann also sagen, unsere drei Hauptpersonen sind schon sehr stereotypisch und gerade das fand ich ein wenig schade. Man kennt solche Leute eben und überraschen konnte mich daher keiner. Auch der Ablauf der Handlung bietet wenig Neues. Die Autorin lässt die Figuren immer wieder zusammentreffen, dann auseinandergehen und wieder zusammenfinden. Zudem lassen sich manche Stränge schon ziemlich schnell erahnen. 

Bücher, bei denen ich schon im Voraus vermute, dass sie mir eine Gänsehaut verpassen, weil mich die Geschichte so emotional umhauen wird, brauchen die speziellen Charaktere. Einfach Leute, die mich sofort mitreißen können. Die Autorin lässt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der drei Protagonisten erzählen, was mir gut gefallen hat, weil man so immer näher an der Person selbst ist.

Dadurch, dass ich eben nur alle "nett" fand, konnte mich die Handlung auch nicht so emotional mitnehmen. Die Geschichte ist schön, hat mal traurige Seiten, dann wieder strahlende, glückliche Momente, aber so einen wirklichen Schocker, der mich zerstört hätte, gab es nicht. Amy Harmons Stil kann ich hingegen nur loben. Sie schreibt wunderschön und ich habe ihr Buch gerne gelesen. Allerhand Themen schneidet die Autorin an. Unerwiderte Liebe, Verlust, Freundschaft, Misshandlung und mir hat der Mix gefallen. 


Von "Vor uns das Leben" habe ich wirklich viel erwartet. Wahrscheinlich zu viel, denn letztendlich konnte es mich dann doch nicht so mitreißen, wie erwünscht. Nichtsdestotrotz habe ich die Geschichte aber gerne gelesen und ich hatte ein paar schöne Lesestunden. Hätten die Charaktere ein bisschen mehr Biss und Ecken und Kanten gehabt, dann wäre mir Frau Harmons Werk wahrscheinlich besser bekommen. Aber schön für zwischendurch war es schon!

Ich vergebe

6/10 
Punkten


Kommentare:

  1. Lieber Jan,

    schade, dass dich das Buch letztendlich doch nicht so mitreissen konnte.. :/ Ich hoffe dein nächstes Buch haut dich dafür wieder so richtig um :)

    Liebste Grüße

    Sonja :)

    AntwortenLöschen
  2. Das hoffe ich auch, Sonja! :)
    Aber so schlimm war es ja gar nicht - gefallen hat es mir ja schon - war halt nett :)
    LG Jan

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja und jeder weiß, was man über "nett" sagt ;-)

      Löschen
  3. hmmmm, jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich es noch lesen möchte. Ich hatte eigentlich auch auf eine besondere und außergewöhnliche Geschichte gehofft. Ich glaube ich lösche es erst mal wieder von der WuLi :(

    Küsschen, Ally

    AntwortenLöschen

lauft mir nach ...