Samstag, 28. März 2015

Nox - Unten - Yves Grevet [Rezension]


Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN: 978-3423650120
Preis: 14,95 Euro
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Es ist NOX, die dichte Wolke aus Schmutz, die die Stadt in ein Oben und Unten teilt. Wer oben geboren wird, ist auf der Seite der Sieger. Hier wächst man mit Licht und Sonne in Reichtum auf. Der 17-jährige Lucen hat es weniger gut getroffen. In Dunkelheit und Gestank lebt er unter widrigsten Umständen in der Unterstadt, wo Polizei und Miliz die Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Sein Freund Gerges aus Kindertagen tritt der Miliz bei. Bald schon wird er Lucen misstrauen und ihn hintergehen. Denn der sympathisiert mit den Aufständischen, die eine Zusammenführung von Unter- und Oberstadt unter Einsatz ihres Lebens erkämpfen wollen. Hinter ihm steht Firmie, seine Freundin, und auch Ludmilla, ein Mädchen aus der Oberstadt. Aber werden sie gegen die Miliz siegen? Lucen ist in größter Gefahr. Und ausgerechnet sein ehemaliger Freund wünscht ihm den Tod. Bild -und Textquelle


Ein neues Buch von Yves Grevet? Da konnte ich natürlich nicht dran vorbeilaufen! Nachdem mir seine Méto-Trilogie wirklich gut gefallen hat, war ich gespannt auf sein neues Werk "Nox - Unten".

Womit mich der Autor immer wieder begeistern kann - und das zeigt sich auch in seinem neuen Werk, - ist der tolle Schreibstil. Wer es minimalistisch mag, der wird wahrscheinlich mit Grevets Werken warm werden. Für mich passt der Stil einfach sehr gut in diese düstere, bedrohliche Atmosphäre. Durch den kühlen, prägnanten Schreibstil wird der dystopischen Geschichte noch etwas mehr Intensität verliehen. Der Leser fühlt sich der Welt gleich viel näher, spürt regelrecht Nox, die giftige Wolke, die die Umgebung in trübe Dunkelheit taucht. Auffallend sind auch die kurzen Sätze, die beinahe schon "abstumpfend" wirken, der Geschichte aber irgendwie auch Kraft verleihen. Zudem fliegt man dadurch beinahe durch die Seiten.

Ebenfalls wieder positiv hervorzuheben, ist Grevets Weltentwurf. Die Zweiklassengesellschaft ist wirklich nichts Neues mehr, schon gar nicht in Dystopien, aber durch das tolle Beiwerk, das der Autor mit ins Spiel bringt, wirkt "Nox" schon wieder etwas spezieller. Eine Bergstadt, die durch die gefährliche Wolke in zwei Bereiche getrennt wird. Wer in der Unterstadt wohnt, muss sich mit einer gesundheitsschädlichen Atmosphäre rumschlagen. Zudem herrscht hier die Miliz mit eiserne Hand. Aufstände werden direkt im Keim erstickt. Licht ist kostbar und wird meist durch körperliche Kraft erzeugt. Wer in der Oberstadt wohnt, hat es besser getroffen. Hier ist es heller, die Atmosphäre nicht so vergiftet. Den Bewohnern geht es gut, haben Geld bringende Jobs und eine höhere Lebenserwartung. Und daraus entwickelt sich der Konflikt, der in der Geschichte aufkommt, zumindest lässt sich dieser Punkt erahnten.

Der Autor lässt den Leser im ersten Band seiner neuen Reihe in diesem Bereich ziemlich im Dunkeln stehen. Die Geschichte wird aus drei Blickwinkeln erzählt. Lucen und Gerges kommen aus der Unterstadt, sind beste Freunde und doch steuert ihre Existenz auf einen Zusammenstoß hin, denn Gerges wird einmal der Miliz beitreten, die von keinem Bewohner wirklich geschätzt wird. Die dritte Erzählstimme stammt von Ludmilla aus der Oberstadt, die durch bestimmte Umstände mit der unteren Schicht in Kontakt kommt. Der Leser weiß also nur das, was auch die drei Protagonisten wissen - und das sind immer nur Bruchstücke. Jeder hat seine kleine Geschichte, aber bisher lässt sich noch kein deutlicher roter Faden erahnen. Mir hätte es besser gefallen, wenn auch schon in diesem ersten Band, die größeren Hintergründe - auf welchen Showdown läuft der Autor hinaus?, - angedeutet werden. So kann man diesen ersten Band wohl eher als "Einleitung" betrachten. Dadurch hat sich für mich auch ein wenig die Spannung gemindert. Es gibt zwar hier und da einige brenzliche Situationen, für mich allerdings einfach zu wenig.

Dennoch lässt dieser "ruhigere" Start doch einiges für den kommenden Band erhoffen und ich bin mir ziemlich sicher, dass "Nox - Anderswo" mich im Herbst noch mehr überzeugen wird. Das bin ich einfach von Yves Grevet gewohnt.


"Nox - Unten" hat mir im Gesamtbild ganz gut gefallen. Yves Grevet kann einfach ganz toll schreiben und das zeigt sich auch wieder in seinem neuen Werk. Zudem ist sein Weltentwurf immer etwas Besonderes und besticht durch feine Merkmale. Mir hat aber allgemein ein klarer roter Faden gefehlt, wodurch mir auch ein wenig die Spannung abhanden gekommen ist. Nichtsdestotrotz hat mich der Autor neugierig gemacht und ich möchte auch die Fortsetzung gerne lesen.

Ich vergebe

6/10 
Punkten


Kommentare:

  1. Dein Fazit bestätigt mich in meiner Meinung, dass das Buch leider nichts für mich ist. Aber es wird definitiv genug andere geben, die da nicht einer Meinung mit mir sind. Dennoch: Sehr hilfreiche Rezension!

    Liebste Grüße,
    Nazurka

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  2. Freut mich, dass ich dir ein bisschen helfen konnte, obwohl ich ja finde, dass Grevet immer einen zweiten Blick wert ist! :P :D
    LG Jan

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  3. Eine sehr schöne Rezension, die meine Neugierde auf das Buch (ich bin auf der Buchmesse quasi drübergestolpert) nur noch steigert!

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lauft mir nach ...