Montag, 24. August 2015

Das Juwel - Die Gabe - Amy Ewing [Rezension]


Verlag: FISCHER FJB
Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
ISBN: 978-3841421043
Originaltitel: The Jewel
Preis: 16,99 Euro
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Violet Lasting ist etwas Besonderes. Sie kann durch bloße Vorstellungskraft Dinge verändern und wachsen lassen. Deshalb wird sie auserwählt, ein Leben im Juwel zu führen. Sie entkommt bitterer Armut und wird auf einer großen Auktion an die Herzogin vom See verkauft, um bei ihr zu wohnen. Eine faszinierende, prunkvolle Welt erwartet sie. Doch das neue Leben fordert ein großes Opfer von ihr: gegen ihren Willen und unter Einsatz all ihrer Kraft soll sie der Herzogin ein Kind schenken. Wie soll Violet in dieser Welt voller Gefahren und Palastintrigen bestehen? Als sie sich verliebt, setzt sie nicht nur ihre eigene Freiheit aufs Spiel. Text -und Bildquelle


"Das Juwel" von Amy Ewing gehört zu der Sorte Bücher, von der ich immer eine gewisse Vorstellung habe, wie die Geschichte ablaufen könnte. Vielleicht ist Vorstellung auch das falsche Wort - Hoffnung würde wahrscheinlich besser passen. Ich weiß von vorneherein aber auch, dass die Wahrscheinlichkeit gegeben ist, dass es dann doch leider ganz anders ablaufen könnte. Schuld daran ist ein Trend im Jugendbuchbereich, dem ich momentan selten etwas abgewinnen kann, wenn es um diese "Sorte" Bücher geht. Das Juwel fällt auch in diese Sparte.

Ich rede von den Protagonistinnen, die den Anschein erwecken sollen, heldenhaft zu sein, obwohl sie es gar nicht sein wollen. Von der Sorte Mädchen, die erst ganz unten waren, um sich dann einen Platz nach oben zu erkämpfen. Um ein eigenes Leben zu führen. Um frei zu sein. Um das zu tun, was sie gerne machen möchten. 

Auch Violet Lasting wird gezwungen ein Leben zu führen, dass ganz und gar nicht ihren Vorstellungen entspricht. Sie besitzt besondere Fähigkeiten und wird daher verkauft, wie ein Stück Vieh. Ihre Herrin ist eine reiche, alte Frau, die mit ihr angeben will und der sie später einmal, ein perfektes Kind schenken soll. Violet wird aufgehübscht, in tolle Kleider gesteckt und muss sich hier und da ein paar Erniedrigungen unterziehen, wenn sie mal aus der Reihe tanzt und nicht so agiert, wie ihre Besitzerin es gerne will. Dennoch führt sie ein "gutes" Leben - für sie wird gesorgt, sie hat eine Dienerin, es gibt genug zu essen. Aber natürlich fühlt sie sich schlecht, weil es ihrer Familie ganz anders ergeht. Diese lebt in Armut und Violet hat keine Chance sie jemals wiederzusehen. 

Wenn man jetzt vielleicht glaubt, dass Violet über sich hinauswächst und anfängt zu rebellieren, dann täuscht man sich als Leser aber gewaltig! Violet ist nämlich eines ganz besonders - DÄMLICH! So hart das auch klingt, aber anders kann ich es gar nicht ausdrücken und damit sind wir auch schon bei dem oben angesprochenen Trend. Dieser Anschein von einer mutigen, intelligenten Protagonistin ist wirklich nichts als Schein und Trug, um den Lesern vorzugaukeln, wie tapfer doch unsere Heldin ist. Dabei verhält sie sich in überaus vielen Situationen einfach nur sehr unklug und dumm. Es fällt mir dann wirklich nicht einfach, mich auf solche Charaktere einzulassen, weil ich nur schwer verstehen kann, warum man gerade so handeln muss. Aber ich denke mir dann, dass es vielleicht im Verlauf besser wird und lese und lese, aber mein Kopfschütteln hört einfach nicht auf, bis ich irgendwann einfach nur noch genervt bin, weil der "Klick" nicht kommt.

Dann sind da sogar Ansätze, die vielversprechend klingen und man sieht Hoffnung in Violets Handeln - es werden Pläne geschmiedet, die in meinen Augen gut klingen, aber dann taucht da ein gut aussehender Junge auf, der einfach mal keinen Eindruck hinterlässt, die Protagonistin ist aber natürlich gleich wahnsinnig verliebt und schon sind alle guten Ansätze dahin. 

Warum lese ich solche Bücher dann erst immer wieder? Weil ich weiß, dass es da draußen auch Geschichten gibt, die ganz anders sind. Weil ich weiß, dass nicht alle jungen "Heldinnen" so agieren, wie Violet. Vor ein paar Jahren habe ich eine Reihe gelesen, da wurde die Protagonistin ebenfalls gezwungen einen Weg einzuschlagen, der ihr ganz und gar nicht gefiel. Sie wurde gequält, in Kleider gesteckt und von außen in etwas verwandelt, was sie nicht ist. Trotzdem war das Mädchen so dermaßen authentisch, hat vielleicht nicht immer eine kluge Entscheidung getroffen, aber trotzdem nie ihr Herz verraten und ist ihren Weg gegangen. 

Könnte ich über diese Eigenschaften hinwegsehen, dann würde ich Bücher, wie "Das Juwel" lieben. Zudem hat Amy Ewing einen guten Stil und ihren Weltentwurf empfand ich als sehr gelungen und komplex. Ihr Buch ist wirklich keine Katastrophe, für mich aber an meinen Ansprüchen gemessen, ein klarer Reinfall. Und was mache ich jetzt? Weiterhin solche Bücher lesen in der Hoffnung, dass ich irgendwann wieder einen Schatz erwische.


"Das Juwel" versprach laut Klappentext interessant zu werden. Ich kann auch nicht behaupten, dass mir Stil, Weltentwurf und Konzept nicht gefallen haben, trotzdem war ich von Ewigs Buch ziemlich enttäuscht. Auch Protagonistin Violet ist leider dem momentanen Trend zum Opfer gefallen, eine wenig originelle Heldin zu sein, die sich in den meisten Fällen einfach dämlich verhält. Ganz vorbei war es mit der Hoffnung, als der gut aussehende Junge ins Spiel gekommen ist. Für mich ist nach Band 1 schon Schluss mit der Reihe!

Ich vergebe

4/10 
Punkten


Kommentare:

  1. Huhu :)

    Um den Roman kommt man ja im Moment kaum herum, deshalb musste ich auch direkt einmal deine Rezi lesen ;) Schade, dass es dich so gar nicht begeistern konnte... Ein bisschen skeptisch bin ich ehrlich gesagt noch, weil solch gehypte Bücher meist auch nicht ganz meinem Geschmack entsprechen ;) Trotzdem eine schön geschriebene Rezension!

    Liebe Grüße,
    Marie
    book-camp.net

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  2. oh je, schade, dass dir das Buch so gar nicht gefallen hat. Ich fand Violet eigentlich recht autentisch und gerade in Hinblick auf die Schwangerschaft und ihre Herrin fand ich ihr Verhalten eigentlich nachvollziehbar... nur in der zweiten Hälfte wenn sie mit ihrem Herzblatt zusammen ist, ja da hab ich sie in meiner Rezi auch dämlich genannt, man hätte schwer noch unvorsichtiger sein können -.-

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  3. Ich kann dich total verstehen, Jan! Ich fand das Buch auch nicht "Unterste Schublade mies", aber gut ist echt anders. Und du hast das so richtig wunderbar von Herzen aufgedrückt, wie das mit den Protas in solchen Büchern ist...dämlich trifft es wohl perfekt. Man verlangt auch gar nicht die besten und tollsten Figuren, aber etwas Charakterstärke und nicht immer diese Insta-Love ist ja wohl nicht zu viel verlangt -_-

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  4. Endlich mal jemand, der das Buch nicht in den Himmel lobt.
    Ich habe es selbst gelesen und fand es ganz grausig. Bei vielen Dingen sprichst du mir aus der Seele.
    Liebe Grüße
    Franzi

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  5. Oje, oje. Dann bin ich umso glücklicher, dass ich beschlossen habe das Buch nicht zu lesen. Allein schon, weil es mich so an "Selection" erinnert hat *schauder*. Wenn ich mir dann noch deine Rezension anschaue, sehe ich mich schon im Geiste über die Hauptfigur aufregen. Nein danke, dass ist dann wohl besser so ;)

    Liebe Grüße,
    Tina

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  6. Halli hallo
    Jetzt habe ich das Buch fertig und getraue mich auch deine Rezi zu lesen ;)
    Ich kann deine Kritikpunkte sehr gut nachvollziehen und sehe dass in grossen Teilen auch ähnlich. Vor allem die ganze Sache mit Ash ahhhhhh musste das echt sein?!!
    Mein Sympathien für das Buch und auch für Violet fingen ab S.300 echt zu schwanken an...;)
    Trotzdem hat es bei mir für knappe vier Sterne gereicht da ich es bis zu S. 300 echt nicht übel fand und auch das Ende mich überraschte. Wahrscheinlich hat mich einfach auch diese ganze Leihmutterschafts- Thematik als Frau halt echt angesprochen ;)

    Liebe Grüsse
    Bea

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  7. Auch wenn das Buch leider ein Flop war, deine Rezension dazu lässt sich jedenfalls göttlich lesen :D

    "Wenn man jetzt vielleicht glaubt, dass Violet über sich hinauswächst und anfängt zu rebellieren, dann täuscht man sich als Leser aber gewaltig! Violet ist nämlich eines ganz besonders - DÄMLICH!" Ich hab glaubt, ich brech ab vor lachen xD

    Auf dass deine nächste Lektüre dich wieder etwas mehr zu begeistern und fesseln weiß! :D

    Schööönes Wochenende,
    Nana ♥

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  8. Hey :)

    Ich hab das Buch in der Zwischenzeit jetzt auch zu Ende gelesen ... Und muss mich dem Kommentar von Dreamcatcher anschließen, gerade nach der ersten Hälfte handelt Violet wirklich sehr, sehr dumm und leichtsinnig. Da habe ich mir wirklich gedacht "Sie wird doch nicht ... Sie sollte doch wissen, dass ..." - und was macht sie? Ja, genau das, was sie nicht tun sollte. Warum ist eigentlich nicht ihre Freundin Raven die Hauptfigur? Die erschien mir nämlich wesentlich vernünftiger *seufz*. Trotzdem habe ich mich leider bei dem Gedanken ertappt, dass ich wissen will, wie es weitergeht ... Naja, mal sehen, vielleicht gibt es das zweite Buch irgendwann auch einmal so günstig wie das erste (Das war digital um 36 Cent zu haben).

    Liebe Grüße
    Ascari

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  9. Hey :)

    Das Buch begegnet einem zur Zeit ja ständig. Bisher habe ich nur Gutes gelesen und bin froh, deine ehrliche Meinung ebenfalls gelesen zu haben.
    Noch steht es auf meiner WuLi und ich bin auch wirklich skeptisch, ob es mich überzeugen kann, gerade da die Hauptprotagonistin nicht besonders schlau zu sein scheint.
    Danke jedenfalls für deine Rezension.

    Liebe Grüße Lisa von http://mexiis-leseparadies.blogspot.de/

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  10. Hallo,

    wie schade, dass dir das Juwel nicht so gut gefallen hat wie mir! Ich fand Ewings Werk echt großartig und freue mich schon auf den zweiten Band.

    Liebe Grüße,
    Vanessa
    vanessasbuecherregal.blogspot.de

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lauft mir nach ...