Donnerstag, 10. Dezember 2015

Fremd - Ursula Poznanski & Arno Strobel [Rezension]



Verlag: Wunderlich
Broschiert: 400 Seiten
ISBN: 978-3805250849
Preis: 16,99 Euro
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Stell dir vor, du bist allein zu Haus. Plötzlich steht ein Mann vor dir. Er behauptet, dein Lebensgefährte zu sein. Aber du hast keine Ahnung, wer er ist. Und nichts in deinem Zuhause deutet darauf hin, dass jemand bei dir wohnt. Er redet auf dich ein, dass du doch bitte zur Vernunft kommen sollst. Du hast Angst. Und du verspürst diesen unwiderstehlichen Drang, dich zu wehren. Ein Messer zu nehmen. Bist du verrückt geworden?

Stell dir vor, du kommst nach Hause, und deine Frau erkennt dich nicht. Sie hält dich für einen Einbrecher. Schlimmer noch, für einen Vergewaltiger. Dabei willst du sie doch nur beschützen. Aber sie wehrt sich, sie verbarrikadiert sich. Behauptet, dich niemals zuvor gesehen zu haben. Sie hält dich offensichtlich für verrückt. Bist du es womöglich?

Eine Frau. Ein Mann. Je mehr sie die Situation zu verstehen versuchen, desto verwirrender wird sie. Bald müssen sie erkennen, dass sie in Gefahr sind. In tödlicher Gefahr. Und es gibt nur eine Rettung: Sie müssen einander vertrauen...                              


Nachdem ich die ersten positiven Meinungen zu "Fremd" gelesen habe, wollte ich das neue Werk von Ursula Poznanski und Arno Strobel sofort besitzen und mir selber eine Meinung bilden. Und diese unterscheidet sich kaum von den anderen begeisterten Stimmen. "Fremd" ist zwar kein Fünf-Sterne-Buch, aber lesenswert allemal!

Der Einstieg in die Handlung war klasse und genau nach meinem Geschmack. Das Autorenduo hält sich nämlich nicht mit einer langen Vorgeschichte auf und so findet man sich als Leser gleich in einer eher schaurigen, beängstigenden Situation wieder, als Protagonistin Joanna plötzlich Geräusche in ihrer Wohnung hört, die darauf schließen, dass jemand eingedrungen ist. Für einen Thriller finde ich dieses direkte Eintauchen ins Geschehen als sehr wichtig, weil dadurch die Grundstimmung direkt gegeben wird, die das Genre für mich ausmacht. 

Im nächsten Kapitel wird die Situation dann aber schon von einer anderen Sichtweise beleuchtet, nämlich die von Erik, der eigentlich glaub, zu seiner Verlobten in die gemeinsame Wohnung zu kommen, um einen entspannten Abend zu haben. Das Dilemma ist natürlich vorprogrammiert, als er feststellen muss, dass Joanna ihn nicht erkennt und wahnsinnige Angst vor ihm hat - zudem scheinen seine ganzen Sachen aus der Wohnung verschwunden zu sein. Im nächsten Kapitel wechselt man wieder zu Joanna und ihren Blickwinkel und so zieht sich die Erzählweise durch die komplette Geschichte. Das ist zwar ein alter Hase, aber gerade in diesem Buch hat mir das ausgesprochen gut gefallen.

Das Schreiben der jeweiligen Kapitel wurde unter den beiden Autoren aufgeteilt, so hat Frau Poznanski alle Kapitel von Joanna geschrieben und Herr Strobel die von Erik. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein, weil ich ganz genau weiß, dass beide Sichten von zwei unterschiedlichen Personen verfasst worden sind, aber ich habe genau das auch irgendwie in den Persönlichkeiten der Figuren gemerkt. Joanna und Erik sind in zwei unterschiedlichen Köpfen kreiert worden und ich habe diese "Autorendifferenz" erkannt, zumindest habe ich mir das eingebildet! Das fand ich total cool, weil sich das noch viel realer bzw. spezieller angefühlt hat. Stilistisch hingegen haben beide Autoren das gleiche Level und das ist ein echt gutes Level.

Durch die Erzählweise aus zwei Perspektiven war auch gleich der Faktor Spannung viel höher. Bei beiden Figuren gerät die Welt aus den Fugen und als Leser darf man also doppelt so viel Mitfiebern und Miträtseln, was denn nun vor sich geht. Wer der Böse in der Geschichte ist, bleibt in meinen Augen eigentlich gar nicht lange verborgen. Das hat mich nicht gestört, weil mir eben noch die Hintergründe des "Warums" gefehlt haben. Die sind wirklich ENORM, vielleicht schon ein wenig zu krass, besonders wenn man die Verbindung zu unseren beiden Hauptfiguren sieht. Aber auch das hat mich wenig gestört. Weniger schön empfand ich allerdings die Auflösung allgemein, die mir viel zu schnell abgearbeitet wurde. Ich hatte das Gefühl, dass auf den letzten 50 Seiten viel Action, viel Auflösung und ein passendes Ende zusammengepresst wurden. Ein paar Seiten mehr hätten mir hier wahrscheinlich besser gefallen.


Auch wenn mir die Auflösung von "Fremd" ein wenig zu flott über die Bühne gegangen ist, so konnte mich der Thriller von Poznanksi und Strobel vor allem durch tolle Spannung und eine authentische Erzählweise überzeugen. Der Lesesog hatte mich ab der ersten Seite fest im Griff und konnte mich bis zum Ende festhalten. Toller Thriller, den ich gerne weiterempfehle!

Ich vergebe

8/10
Punkten

Kommentare:

  1. Hallo lieber Jan,

    ich muss gestehen, dass ich mir bisher nicht sicher war, ob ich das Buch lesen mag. Und das obwohl ich derzeit Thriller eigentlich ganz gerne lese. Aber nach deiner Rezension landet das Buch absolut gerechtfertigt auf meiner Wunschliste.
    Ich glaube, dass es mir auch sehr gut gefallen wird, dass die Protagonisten aus unterschiedlichen Federn stammen. Das macht das ganz bestimmt noch viel authentischer.

    Liebste Grüße
    Sonja

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  2. Hallo Sonja!
    Freut mich, dass ich dir bei der Entscheidung ein wenig helfen konnte - du wirst es bestimmt nicht bereuen! :D

    LG Jan

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  3. Tolle Rezi, Jan! Super, dass dir das Buch auch gut gefallen hat. Ich bin schon sehr auf Nr. 2 gespannt!
    Liebe Grüße
    Anka

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  4. Danke dir, Anka! :)
    Es wird ein weiteres Buch von den beiden kommen? Das klingt ja super!!! :D

    LG Jan

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  5. Den Roman mag ich auch noch lesen und ich bin ja ganz froh, dass die Autoren da die entgegengesetzten Perspektiven geschrieben haben.
    Büchern, die "fliessend" in einem Team geschrieben worden sind, gegenüber habe ich ja doch immer ein wenig Vorbehalte; ich meine, da merkt man viel zu oft, dass die sich gegenseitig eher blockiert haben, so vonwegen "viele Köche verderben den Brei". ;)

    LG,
    Tanja

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  6. Hallo! :)

    Ich lese überall total die begeisterten Rezensionen und mir hat der Roman irgendwie überhaupt nicht zugesagt :D
    Ich fand den Schreibstil und die Erzählweise unfassbar spannend, aber die Story an sich einfach nur enttäuschend, unrealistisch und zu hollywoodmäßig :( Besonders ab der Hälfte... Da konnte ich teilweise nur noch mit dem Kopf schütteln ...

    Liebe Grüße
    Peter

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lauft mir nach ...