Montag, 28. März 2016

We all looked up - Tommy Wallach [Rezension]



Verlag: cbj
Taschenbuch: 448 Seiten
ISBN: 978-3570403426
Originaltitel: We All Looked Up
Preis: 12,99 Euro
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Was wäre, wenn ein riesiger Asteroid durchs All Richtung Erde trudeln würde und man eventuell nur noch zehn Wochen Zeit hätte, um all seine Wünsche und Hoffnungen in die Tat umzusetzen? Peter, Eliza, Anita und Andy müssen sich kurz vor dem Schulabschluss genau dieser Frage stellen. Ihnen bleiben zehn Wochen, um all ihre Hoffnungen und ihre Herzen in die Waagschale zu werfen, denn vielleicht, vielleicht, ist es die einzige Zukunft, die sie haben. In diesem existentiellen Carpe-Diem-Szenario stellt sich für den Sunnyboy Peter ebenso wie für die ehrgeizige Anita die Frage, was für sie wirklich zählt, und auch der sorglose Andy und die fatalistische Eliza mit ihrer Nach-mir-die-Sintflut-Haltung müssen zum ersten Mal ernsthaft ihr Leben überdenken. Text -und Bildquelle


„We all looked up“ hat sich für mich im ersten Moment einfach großartig angehört. Der Klappentext verspricht einen Blick auf vier Jugendliche, die sich alle plötzlich dem Ende der Welt gegenüberstellen müssen. Was soll man mit der restlichen Zeit anfangen, die einem gegeben wird, wie soll man die letzten Tage füllen? Das ist mir als Erstes durch den Kopf geschossen, als ich mir vorgestellt habe, wenn mir plötzlich die Zeit durch einen Kometen gestohlen wird.

Tommy Wallach hat sich dazu entschlossen, dass seine Geschichte aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Gut gewählt, wenn man viele Blickwinkel haben will, um das kommende Ereignis zu beleuchten. Peter, Andy, Eliza und Anita haben so ziemlich eines gemein, dass es keine Gemeinsamkeiten gibt. Peter der attraktive Sportler, Andy der etwas verpeilte (Drogen)Typ, Anita die folgsame Streberin und Eliza, die Außenseiterin. Ich mochte allerdings nicht alle Erzählstimmen und das macht gleichzeitig mein größtes Problem mit diesem Buch aus. 

Ich hatte nämlich gehofft, dass der Autor seine Figuren etwas mehr aus gewohnten Mustern ausbrechen lässt, aber das gelingt ihm leider nur bedingt. So will zum Beispiel Andy seine vielleicht letzten Tage damit verbringen, eine Wette zu gewinnen, die einfach mal total banal und oberflächlich ist. Solche „Ausbrüche“ nach unten finden sich leider bei jeder Figur gelegentlich wieder, was ich sehr schade fand, weil ich mir doch gewünscht hätte, dass Wallach etwas mehr Intensität, etwas mehr Andersartigkeit in das Handeln seiner Figuren gelegt hätte. Vor diesem Hintergrund hätte sich das doch fantastisch angeboten. Angst, Zweifel, Wut – damit kann man so gut spielen.

Ich will aber nicht behaupten, dass ihm das nicht auch gelungen ist. Das Buch springt fast schon immer von einer Schale in die andere und dann zeigt der Autor, was er drauf hat. Dann zeigt er, wie reif, heftig, authentisch und verzweifelt seine Figuren agieren können. Dieses Hin und Her zeigt sich ebenfalls in seinem Stil. Tommy Wallach haut manchmal Sätze raus, die sind so genial und gehen einem direkt unter die Haut und man denkt sich nur, wie fantastisch diese Worte in die Handlung passen, wie fantastisch diese Worte das unterstreichen, was die jeweilige Person gerade durchmacht.

Die besten Bücher handeln nicht von Dingen, über die du noch nie nachgedacht hast. Sie handeln von Dingen, über die du schon immer nachgedacht hast, bei denen du aber meintest, keiner sonst würde sich über sie Gedanken machen. Du liest sie und plötzlich bist du ein kleines bisschen weniger allein auf dieser Welt. Du bist Teil dieser kosmischen Gemeinschaft von Leuten, die alle schon über diese Sache nachgedacht haben, egal, um was es sich dabei zufällig handelt.“ (S. 20)

Aber dann gibt es gelegentlich Sätze oder Vergleiche, die sich für mich einfach komisch anhören. 

„Sie hatte allerdings auch tolle Haare […], lang und milchkaffeebraun und so glatt und glänzend wie ein Basketballtrikot.“ (S.1). 

Okay. Klingt echt merkwürdig.

Dieses Auf und Ab zieht sich durch die gesamte Handlung und es war manchmal echt zum Verrücktwerden. Von einem „Wow“ geht es direkt zu einem „Argh“. Daher war ich froh, dass sich das Ende des Buches für mich auf die gute Seite gesellt hat. Ich mochte es sehr, dass man zum Schluss ein wenig ratlos zurückgelassen wird – genau wie die Protagonisten. Man spinnt selbst ein wenig weiter und spielt mit dem einen oder anderen Gedanken. Wer offene Ende allerdings überhaupt nicht mag, der wird sich hier bestimmt etwas ärgern. 


„We all looked up“ ist stellenweise echt fantastisch. Genial geschrieben, genial in der Handlung und der Handlungsweise der Figuren. Stellenweise ist „We all looked up“ aber auch sehr klischeehaft, festgesessen und gespickt mit merkwürdig klingenden Vergleichen. Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten zurückgelassen. 

Ich vergebe

6/10
Punkten

Kommentare:

  1. Ein Basketballtrikot? O.o Okaaaayy xDDD

    Mhh... Also wirklich geholfen hat mir das ja jetzt nicht :P Ich bin genauso zwiegespalten wie vorher... Und man stellt sich wie immer die Frage: Lesen oder nicht lesen :P

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  2. Hey
    ohje, dann ist das Buch nichts für mich :D Ich mag weder offenen Enden noch an den so glatten und glänzenden wie ein Basketballtriko Haaren herbeigezogen Vergleiche
    lg. Tine :)

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  3. @Amelie: Hier würde ich sagen: Im Zweifel nicht lesen! xD
    Das mit dem Trikot hat mich auch total irritiert! :D

    @Tine: Dann ist das Buch wirklich nichts für dich! :D

    LG Jan

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  4. Ich liebe dieses Buch. Ich liebe die Vergleiche und das offene Ende. Eindeutig eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe

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lauft mir nach ...