Sonntag, 9. Oktober 2016

Die Wahrheit - Melanie Raabe [Rezension]

[Vor sieben Jahren ist der reiche und zurückgezogen lebende Geschäftsmann Philipp Petersen während einer Südamerikareise spurlos verschwunden. Seither zieht seine Frau Sarah (37) den gemeinsamen Sohn alleine groß. Doch dann erhält Sarah wie aus heiterem Himmel die Nachricht, dass Philipp am Leben ist. Die Rückkehr des vermeintlichen Entführungsopfers löst ein gewaltiges Medieninteresse aus. Sarah hat zwiespältige Gefühle, nach all der Zeit verständlich. Sie hat eine harte Zeit hinter sich. Gerade war sie dabei, sich von der Vergangenheit zu lösen. Ihr Ehemann taucht, wenn man so will, zur Unzeit auf. Was wird werden? Gibt es eine gemeinsame Zukunft? Sie ist auf alles vorbereitet, nur auf das eine nicht: Der Mann, der aus dem Flugzeug steigt, ist nicht der, als der er sich ausgibt. Es ist nicht ihr Ehemann. Es ist ein Fremder – und er droht Sarah: Wenn sie ihn jetzt bloßstelle, werde sie alles verlieren: ihren Mann, ihr Kind, ihr ganzes scheinbar so perfektes Leben …]

Verlag: btb Verlag / Broschiert: 448 Seiten / ISBN: 978-3442754922 / Preis: 16,00 Euro / Direkt kaufen: Amazon, Verlag

Erster Satz: Die Welt ist schwarz.

Meinung:
Auf das neue Buch von Melanie Raabe war ich unglaublich gespannt. Nachdem mich letztes Jahr ihr Debütroman "Die Falle" restlos überzeugen konnte, war ich neugierig, ob mich auch das zweite Werk ähnlich begeistern kann. Ich würde sagen jein!

Stilistisch betrachtet ist Frau Raabe einfach eine Könnerin, da braucht man sich nichts vormachen. Nach nur wenigen Sätzen war ich wieder begeistert und konnte nur staunen, wie atmosphärisch die Geschichte durch den fantastischen Stil aufgebaut worden ist. Wie sie das schafft, weiß ich nicht - ich wurde aber direkt durch ihre Worte und Sätze eingefangen und das mit einer Intensität, wie es nur sehr wenige schaffen. Hut ab dafür.

An "Die Falle" hat mir besonders das Setting unglaublich gut gefallen, ich hatte aber schon die Vermutung, dass dieser Effekt in "Die Wahrheit" nicht ganz so zünden würde. Ein einfaches Haus in der Stadt ist eben dann doch nicht so besonders, wie eine abgelegene Villa. Trotzdem hat es die Autorin geschafft, die Handlung interessant zu machen. Ich war von Anfang an am Haken und wollte stetig wissen, wie es mit Sarah und dem mysteriösen Fremden weitergeht und da kommen wir wieder an einem Punkt, der mich auch an den ersten Roman erinnert.

Die Thriller von Melanie Raabe kommen gänzlich ohne Blut und spektakulären (Kampf)Szenen aus und das liebe ich an diesen Büchern. Spannung durch ganz einfach Mittel. Durch Gedanken der Figuren. Durch einfache Vorstellungskraft. Durch treffende Worte. Dabei hilft es natürlich ungemein, dass die Figuren alle authentisch wirken - auch das schaffte die Autorin wunderbar (zumindest bis kurz vor Ende).

Was mir allerdings an diesem Buch überhaupt nicht gefallen hat - daher dieses "Jein" zu Beginn - ist das Ende. Der Ausgang der Geschichte wirkte auf mich einfach zu konstruiert. Ich hatte das Gefühl, dass jetzt unbedingt eine Auflösung her muss, mit der der Leser am wenigsten rechnen würde. Das hat bei mir geklappt, aber ich empfand den Ausgang dadurch viel zu unglaubwürdig. Spannend gemacht definitiv, aber leider auch mit einem Kopfschütteln verbunden. 

Fazit:
Die Wahrheit kann bis kurz vor Ende definitiv mit ihrem Vorgängerroman mithalten. Stilistisch ist das Buch wieder erstklassig. Auch von der Atmosphäre her ist die Handlung erneut exquisit, interessant und spannend aufgebaut. Leider drückt der Ausgang der Geschichte meine Wertung etwas nach unten. Für mich zu unglaubwürdig und konstruiert. Ansonsten aber wieder ein empfehlenswerter Thriller.

Ich vergebe

7/10
Punkten



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