Donnerstag, 23. Februar 2017

Elefant - Martin Suter // Rezension


Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdach­losen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte daraus eine weltweite Sensation machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, ist der Meinung, etwas so Besonderes müsse versteckt und beschützt werden.


Gebundene Ausgabe: 352 Seiten // Preis: 24,00 Euro

Erster Satz: Eine Entzugserscheinung konnte es nicht sein, er hatte genug getrunken.

Meinung:
"Elefant" ist mein erstes Buch von Martin Suter, bin also ziemlich neugierig in die Geschichte gestartet. Von der habe ich mir allerdings viel erhofft, weil ich im Vorfeld einiges Gutes gehört habe. Letztendlich mochte ich das Buch ganz gerne, kann mich aber den ganzen Lobeshymnen nicht vollkommen anschließen.

Suter lässt seine Geschichte aus zwei Blickwinkeln erzählen. Einmal der des gerissenen Genforschers, der ziemlich machtbesessen zu sein scheint, weil eine Niederlage aus der Vergangenheit an seinem Ego gekratzt hat und auf der anderen Seite gibt es einen Aussteiger, der sich plötzlich einer wahr gewordenen Halluzination gegenübersteht. Roux, der Wissenschaftler, spielt hierbei den Antagonisten, während man Schoch, dem Obdachlosen, alles Glück der Welt wünscht. Natürlich ist so ein Erzählstil nichts Besonderes, aber ich mag es, wenn man als Leser nicht nur eine Sichtweise vorgesetzt bekommt.

Während ich gerne über Schoch und seiner Bekanntschaft mit dem Elefäntchen gelesen habe, fand ich die Abschnitte mit Roux oft ziemlich uninteressant, weil mich der Charakter einfach nicht erreichen konnte. Klingt vielleicht etwas widersprüchlich, wenn man den Gegenspieler nicht mag, weil das ja eigentlich fast immer so gewollt ist, aber ich hatte einfach nichts für diese Stellen in der Geschichte übrig. Mir war es schlichtweg egal, ob er seine Ziele erreicht oder nicht. 

Mehr als nett ist die Handlung für mich aber auch nicht. Die angeschnittenen kritischen Themen (u. a. Obdachlosigkeit, Alkoholismus, Verlust von geliebten Menschen, Machtbesessenheit) sind zwar präsent, aber eben nur angeschnitten. 

Die Idee mit dem rosafarbenen Elefanten empfand ich als ziemlich originell und ich hatte meinen Spaß mit dem Werdegang des kleinen Tierchens. Im Gesamtbild ist das Werk eben nette Unterhaltung für ein paar Lesestunden. 

Fazit:
Martin Suter ist mit "Elefant" ein unterhaltsamer Roman gelungen, der mir ein paar nette Lesestunden eingebracht hat. Über mehr als ein "nett" kommt die Geschichte aber leider nicht, dafür konnte mich nur einer der beiden Blickwinkel richtig überzeugen.


Ich vergebe

6/10
Punkten

Kommentare:

  1. Sehr aufschlussreiche Rezension, vielen Dank! :)

    AntwortenLöschen
  2. Ich scheue mich vor Martin Suter. Vor Jahren hab ich mal ein Buch von ihm angefangen (Die dunkle Seite des Mondes) und konnte mich nicht begeistern oder mit der Geschichte warm werden. Jetzt klang es ja so, dass das Buch besser ist. Aber nach deiner Rezension lass ich das mal lieber. Der Funke, der mich jetzt überzeugt ist nicht geflogen. Schade.

    Trotzdem gute Rezension!

    Liebe Grüße
    Rebecca

    AntwortenLöschen
  3. Vielen Dank für die ausgewogene Rezension. Die ganze letzte Zeit dachte ich, ich muß unbedingt dieses Buch lesen. Nach deiner Rezension weiß ich, ich brauche es nicht zu lesen.( Nicht ganz so schlimm, da meine Lieblingsautorin Zsusa Bank endlich einen neuen Roman rausgebracht habe, worauf ich seit Jahren gewartet habe;)Bin zum ersten mal auf deiner Seite, die mir richtig gut gefällt.

    AntwortenLöschen

lauft mir nach ...