Samstag, 18. März 2017

Bin ich ein kritischer Leser?


In letzter Zeit sind mir immer mal wieder Beiträge und Blogpost begegnet, die das Thema Kritisches Lesen aufgreifen. Zuletzt das Video von Tasmin und ich kann mich mit dem Thema identifizieren. Und ja, ich würde von mir behaupten, dass ich ein kritischer Leser bin.


Aber in erster Linie bin ich ein Leser, der gerne und immer dazulernt. Früher habe ich Bücher gelesen und hatte Scheuklappen auf, hatte keinen Rundumblick, einfach, weil ich es nicht besser wusste. Ich habe in meinen Regalen Bücher stehen, von denen ich heute genau wüsste, dass ich sie nicht mehr mögen würde. Damals habe ich sie geliebt. Aber warum ist das so?

Es langweilt mich.


Zum einen ändert sich natürlich der Geschmack. Das ist einfach so und das ist auch total legitim. So geht es uns doch ständig im Leben, nicht nur mit Büchern. Essen, Musik, Klamotten ... irgendwann ist man auch einfach übersättigt von bestimmten Themen, Richtungen und ähnlichen Handlungen. Am Anfang fand ich Dystopien genial und aufregend. Ich konnte es kaum erwarten zum nächsten Buch dieser Art zu greifen und war fast immer begeistert, aber jetzt? Jetzt fühlt sich fast alles gleich an und langweilt mich. 

Auf der anderen Seite sind es die Charaktere, die sich gefühlt alle ähneln. Ich könnte mir ja mal den Spaß machen und alle Jugendbücher aus meinen Regalen aufzählen, in denen der Junge superattraktiv und superarrogant in Erscheinung tritt, in denen die Protagonistin wenig Selbstwertgefühl besitzt und der Typ sie scheiße behandelt. Kleine Überraschung: Es wären sehr viele!! 

Problematisch an der ganzen Sache ist nur, dass dieses Aufzeigen von vermeintlicher korrekter Beziehung zwischen Jungen und Mädchen als Standard angesehen wird und das ist absoluter Blödsinn. Früher hat mich das kein bisschen gestört, weil ich a) selten ein Buch nur wegen der Liebesgeschichte gelesen und gemocht habe und b) mir wenig Gedanken darüber gemacht habe, wie so ein Auftreten Leser beeinflussen könnte. Aber das tut es und daneben ist es oft einfach nur absolut unrealistisch, was da unter dem Buchdeckel so abgeht!


Mehr Vielfältigkeit.


Hat mich so etwas früher nicht groß aus der Bahn geworfen, so würde ich diesen Punkt heute definitiv auf die Liste meiner Kritik setzen und das auch so in einer möglichen Rezension erwähnen. Genauso steht es mit der (fehlenden) Diversität in (Jugend)Büchern. Ich mag nicht mehr nur darüber lesen, wie sich weiße, heterosexuelle Menschen miteinander beschäftigen. Wo ist das denn heute bitte noch glaubhaft und nachvollziehbar. So ist die Welt einfach nicht. Ich habe immer bewundert, wie es Autoren in Fantasybüchern geschafft haben, eine Vielzahl von Menschen, Kreaturen und was weiß ich nicht alles zu erschaffen, die nicht alle gleich aussehen, die sich nicht gleich verhalten und so ist das im realen Leben doch auch. 

Ich finde es toll, dass es momentan einen kleinen Aufschwung im Jugendbuchbereich gibt und Bücher erscheinen, die sich zum Beispiel mit LGBT-Themen beschäftigen, dass es immer mehr Bücher gibt, in denen POC im Mittelpunkt stehen und nicht immer nur irgendeine Quote erfüllen müssen. Und ganz inständig hoffe ich, dass das nicht nur ein Trend ist, der nach ein paar Jahren wieder abflaut. Das wäre falsch, unecht und absolut unfair.


Mit offenen Augen durch die Buchwelt.


Ich für meinen Teil versuche gezielter und mit offenen Augen durch die Buchwelt zu gehen. Ich will mehr reflektieren, Themen eine Chance geben, die mich vielleicht nicht unbedingt betreffen, die trotzdem für andere Menschen wichtig sind. Ich will anderen Stimmen besser zuhören, meinen Horizont erweitern und vielleicht noch einmal über bereits Gelesenes nachdenken, weil sich mir dann doch wohl möglich ein anderer Sinn erschließt. Ich möchte einfach bewusster lesen und das ist gar nicht so schwierig, wie man vielleicht denken mag.


Was wünsche ich mir?


Ich wünsche mir vor allem Autoren/Autorinnen, die mehr darauf eingehen, was ich in den oberen Zeilen schon erwähnt habe. Die sich trauen aus der Komfortzone auszubrechen, denn nur so ist es möglich, andere, wichtigere Themen größer zu machen. Da müssen nicht nur die Autoren mitspielen, sondern auch die Verlagswelt an sich, die diese Geschichten veröffentlichen will. Und ganz besonders wünsche ich mir, dass jede(r) Leser(in) darüber nachdenkt, was er/sie denn da eigentlich gerade für ein Buch liest und ob er/sie vertreten kann, was in der Geschichte abgeht.

Kommentare:

  1. Hallo! Toller Post. Ich muss dir wirklich zustimmen. Bei mir ist es ganz schlimm bei einem Buch gewesen, da konnte ich einfach gar nicht hinterstehen. Am liebsten würde ich es verbieten lassen, da es wirklich schrecklich war. Ich muss aber auch sagen, dass ich viele Bücher negativ bewerte. (das haben mir schon viele gesagt, die auf meinem Blog unterwegs sind.) Ich bin einfach kritisch, mich kann man nicht soo schnell zufrieden stellen. Und über gewisse Dinge will ich auch nicht hinweg sehen. Wenn ein Buch mich langweilt, wenn die Hauptperson sich nicht behaupten kann, dann ist es kein Wunder, wenn ich es schlecht bewerte. Mich nervt es in letzter Zeit, dass viele Protas einfach kein Selbstvertrauen haben und da würde ich mir auch mehr Aufschwung wünschen.
    Liebe Grüße!!

    AntwortenLöschen
  2. Hallo und guten Abend ;)

    Toller Post und ich bin da ganz bei dir. Ich würde mich auch eher als anspruchsvoller Leser bezeichnen und ja, der Geschmack verändert sich. Mir kann zwar kaum passieren das mir ein Genre langweilig wird, einfach weil ich so viel quer Beet lese. Was aber nicht heisst das ich jedes Buch welches ich früher gelesen habe heute noch genau so gut finde wie damals. Und ja, oft scheint mir eben auch alles aus einem Brei zu bestehen, hast du eins gelesen kennst sie alle. Darum mach ich um YA-Bücher oder Check-Lit schon immer einen Riesen bogen. Klar, vielleicht tu ich dem ein oder anderem Buch unrecht, aber sorry, das ist mir zu langweilig, zu blöd. Vielleicht bin aber auch einfach für manche Bücher zu alt.

    Was die Vielfältigkeit angeht, da geb ich dir zu 100% recht. Das wünsch ich mir schon lange. Und vor allem wünsch ich mir mehr Realität. Aber nicht nur und en Jugendbücher. Ich eins nicht ob es nur mir so geht aber das vermisse ich immer wieder. Und ja, und ich wünschte auch das Autoren und Verlage sich trauen auch an Tabuthemen heran zu wagen. Aber dann bitte nicht in der Art wie grade mit dem Buch "Der Mund voll ungesagter Dinge". Denn da ging es wohl tüchtig in die Hose.

    Herr Booknerd hat dazu eine tolle Rezension geschrieben. Und ich muss sagen, darum hab ich das Buch auch aus meiner WuLi geschmissen.

    Ich bin gespannt wohin uns die Autoren noch Entführen werden.

    Herzliche Grüsse
    Alexandra

    AntwortenLöschen
  3. Huhu!
    Das hast du ganz toll beschrieben und ich bin deiner Meinung.
    Ich merke an mir selbst, dass ich doch recht leichtfertig mit mancher Literatur umgehe. Ich meine, im Genre Krimi und Thriller ist Diversity eher Nebenthema, aber auch hier würde ich mir das mehr wünschen bzw. würde ich mir wünschen, dass sich auch diese Autoren mit diesem Thema auseinander setzen.
    Andererseits und da bin ich jetzt ganz ehrlich, find ich es manchmal anstrengend auch daran noch zu denken. Aber daran merkt man eben, dass es noch nicht in den Köpfen (in meinem leider auch noch nicht) verankert ist.

    Ich wäre also gern mehr kritisch beim Lesen!

    Liebe Grüße,
    Linda

    AntwortenLöschen
  4. Toller Beitrag. Ich finde mich darin absolut wieder. Ich habe gestern meine Rezension zu "Paper Princess" geschrieben und im Gegensatz zu seeehr vielen anderen, hatte ich einfach Kritikpunkte, die mir im Unterbewusstsein schon während des Lesens klar wurden. Viele Geschichten sind einfach nur oberflächlich und ohne Tiefgang. Klar, manchmal kann man das zum abschalten vom Alltag ganz gut gebrauchen, aber es wird einfach "langweilig". Ich entwickle mich in letzter Zeit immer mehr zu so einem kritischen Leser. Irgendwie finde ich es gut, andererseits bin ich dadurch auch einfach oft enttäuscht von Büchern, die mir früher eventuell gefallen hätten.

    Liebe Grüße und einen schönen Dienstag,
    Yvonne

    AntwortenLöschen
  5. Guten Morgen!

    Interessanter Beitrag!
    Ja, das Interesse ändert sich und mittlerweile mag ich auch nur noch Bücher mit Tiefgang. Klar les ich auch mal was "leichteres" Zwischendurch, aber wie du schon sagst: es ist oft ein Einheitsbrei.
    Gerade in den Jugenddystopien oder jetzt gerade im Jugend Fantasy bereich. Es fühlt sich beim Lesen alles gleich an und ich suche immer wieder nach etwas "Besonderem"
    Das ist natürlich schwer bei der Flut an Büchern und Geschichten, aber ich finde doch immer wieder etwas, das für mcih neu und überraschend ist. Das kann die Handlung sein, die Charaktere oder einfach auch der Schreibstil! Gerade bei Jugendbüchern find ich den Stil oft gleich, als käme das alles aus einer Feder ^^

    Ich versuche auch vermehrt nach Themen zu greifen, die mich bewegen und mich zum Nachdenken bringen.

    Deinen Beitrag hab ich heute übrigens auch gerne in meiner Stöberrunde verlinkt :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
  6. Huhu!

    Oh ja, ich habe vor meiner Buchblogger-Zeit auch viel unkritischer gelesen - und das, obwohl ich sogar vorher schon ein paar Jahre im Buchhandel gearbeitet habe! Aber durch das ständige Schreiben von Rezensionen hat sich mein Blickwinkel erweitert, würde ich sagen.

    Dystopien liebe ich prinzipiell auch, aber es stimmt schon, auch in diesem Genre wiederholt sich inzwischen einiges. Genau wie in der Romantasy oder im Bereich YA... Leider.

    Interessant, dass du das Thema Diversität ansprichst! Dazu werde ich in der zweiten Maiwoche eine Themenwoche machen, in der ich einen einleitenden Eintrag zum Thema Diversität post, und dann sechs Tage lang jeden Tag eine Rezension zu einem Buch mit Diversität (in unterschiedlicher Form: homosexuelle, transsexuelle, farbige, behinderte, andersgläubige Charaktere...), und abschließend dann noch ein Interview mit einem der Autoren.

    LG,
    Mikka

    AntwortenLöschen

lauft mir nach ...